aus: Lyrik vom Lande -bewegende Worte-

Bewegende Worte

Wasserspiele

Fersengeld

gibt oft die ganze Welt

Dem  Bauern seine Ferse juckt,
die Färse sich im Stall rumdruckt,
die Bäurin viele Verse spuckt.

So gehen hier im Bauernhaus
niemals nie die Verse aus.

Rabulistik

„Welch’ Geheimnis ist ein Kind
Gott ist auch ein Kind gewesen.
Weil wir Kinder Gottes sind,
kam ein Kind, uns zu erlösen”.

Als Brentano dies Geheimnis schrieb:
Da kannte er die Greta nicht,
er hatte alles Gute lieb
und kannte kein Verzicht.

Schopenhauer sei Dank,
seine Dialektik ist nun eine feste Bank!
Denn jetzt gilt’s den Jungen wie den Alten:
Auf alle Fälle Recht behalten!

Haben wir Alten etwas falsch gemacht ?
Natürlich nicht, wär doch gelacht.
Die Jugend treibt ein falsches Spiel
Sie glaubt nicht uns, sondern diesen Anderen viel zu viel.

Es wird provoziert, detailgetreu die Meinung ausgebreitet,
und damit dem Vergessen den Weg bereitet.
Doch: Zukunft und Vergangenheit sind nicht zu trennen,
auch wenn wir glauben, dies zu können.

November 2019

Fragerunde

Im Altersheim

Verwirrt war sie
und sehr betagt
die ständig uns gefragt
ums Kind was in dem Kinderwagen lag:
„Bübschen oder Mädschen?”
worauf wir pflichtgemäß gesagt:
„Ei Mädschen iss es!”
was ja richtig war.
Doch quälte sie uns immer wieder neu
mit dieser Frage
die Antwort war in dieser Lage
„Ei Mädschen iss es!”
Denn, der Fragen Wiederholung hätte nicht gestoppt
Wenn wir mit „Bübschen” es getoppt!

Oktober 2018

Schanghaien

Früher machte man, in bösen Speluken
kräftige Männer betrunken,
um, aufwachend , an Bord eines Schiffes
bis nach Schanghai in China und noch weiter zu segeln
und darüberhinaus
niemals zu sehen das eigene Haus,
wo möglicherweise Frau und Kind
am verzweifeln sind,
Schanghaien nannte man dies in früherer Zeit.
Heute ist California nicht ganz so weit,
wo die Onlinekraken dieser Welt
glauben, dass ihre Macht die gesamte Menschheit ,
auf ihrem Boot sitzend ,zusammenhält.

April 2020

Jahreszeit

Gefühle

Komm,
der Frühling ist jetzt in!
Der Vogel sizt auf seinem Nest
und brütet,
stiill vor sich hin,
wenn man ihn lässt

Horch,
denn der Sommer naht,
man ahnt es schon,
so klingt es gut,
auf den Wiesen tobt der Storch
mit seiner Brut

Sieh,
nun hat der Herbst so seine Last,
er färbt die Blätter bunt genug.
Der Star verläßt uns jäh in Hast
vergnügt sich vorher mit den Trauben
als Proviant für seinen Flug

Geh,
der Winter kommt daher,
mal weiß, mal kalt, mal garnicht mehr.
Auf dem Knödel sitzt die Meise
und pickt behende,
sie träumt von einer großen Reise
Die irgendwann im Frühling ende

Mai 2012

Aus dem unveröffentlichten Band: „Lyrik vom Lande“
© Copyright beim Autor Horst H. Kibbel, Schöneck/Hess.